Twizzle Technik: Was den Twizzle so besonders macht

Twizzle Technik erklärt: Wie das Element im Eistanz, Einzel-, Paar- und Synchronlauf funktioniert, bewertet wird und was du off-ice trainieren kannst.

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Twizzle Technik: Was dieses Element so besonders macht

Der Twizzle ist eine Drehung auf einem Bein, die sich über das Eis fortbewegt, statt auf der Stelle zu rotieren. Er kommt im Eistanz, im Einzellauf, im Paarlauf und im Synchronlauf vor – und gilt überall als eines der technisch anspruchsvollsten Elemente überhaupt. Dieser Artikel erklärt, wie ein Twizzle funktioniert, wie er bewertet wird und wie du ihn auch zuhause trainieren kannst.

Mein erster Twizzle-Versuch auf dem Eis hat ungefähr so ausgesehen: ein halber Ausfallschritt, der sich schon von selbst in eine Drehung verwandelt hat, nur um dann als mehrere Dreierschritte in einem Fall zu enden. 😂

Der Twizzle ist das Element, das auf dem Eis so einfach aussieht und sich beim eigenen Lernen anfühlt wie ein schlechter Witz (naja, auch nicht ganz). Warum dreht er sich bei anderen einfach weiter, während meiner irgendwo zwischen Drehung und Geradeausfahren eine eigene Entscheidung trifft? Diese Frage hat mich beschäftigt. Und weil ich Dinge lieber verstehe, bevor ich sie einfach weiter übe, habe ich mich in die Twizzle Technik reingewühlt.

Was ein Twizzle ist

Der Twizzle ist eine Drehung auf einem Bein, bei der sich der:die Läufer:in kontinuierlich über das Eis fortbewegt, mit einer oder mehreren Umdrehungen, ausgeführt in einer einzigen, ununterbrochenen Bewegung. Die Internationale Eislaufunion (ISU) definiert ihn als „eine fahrbare Drehung auf einem Fuß mit einer oder mehreren Umdrehungen, die mit einer kontinuierlichen, ununterbrochenen Aktion schnell gedreht wird."

Was ihn vom Rest unterscheidet: Er legt eine gewisse Strecke zurück. Eine Pirouette dreht auf der Stelle. Ein Dreier unterbricht die Drehbewegung. Der Twizzle macht beides nicht. Er dreht und bewegt sich gleichzeitig, fließend, ohne Pause. Das klingt nach einer kleinen Nuance. Es ist ein riesiger technischer Unterschied.

Im Eistanz ist der Twizzle als Pflichtelement im Rhythmustanz und in der Kür vorgeschrieben. Im Einzellauf, Paarlauf und Synchronlauf taucht er als Teil von Schrittkombinationen auf. Überall gilt: Er ist schwerer, als er aussieht.

Twizzle Technik im Detail

Der Twizzle beginnt mit einer sorgfältig vorbereiteten Einlaufkante. Die Kante, auf der du in die Drehung gehst, bestimmt die gesamte Qualität des Elements. Dann: freies Bein anziehen, Körperzentrum über dem Standbein halten, Arme kontrolliert anziehen oder in Position bringen für extra Punkte und weiterdrehen.

Es gibt 4 mögliche Variationen bzw. Startpositionen für einen Twizzle: Vorwärts Einwärts/Auswärts und Rückwärts Einwärts/Auswärts. Der generelle Ablauf bleibt aber gleich. Kante drücken und so Rotation und Schwung holen. Dabei das leicht gebeugte Knie strecken und die Schulter gegenüber des Spielbeins nicht abhauen lassen.

Eine wirklich gute Vorübung sind Doppeldreier.

Das Tückische ist die Kombination. Pirouettentraining lehrt dich, auf der Stelle zu zentrieren. Der Twizzle verlangt, dass du das tust, während du gleichzeitig über das Eis gleitest.

Maia Shibutani, eine der besten Eistänzerinnen der USA, hat das einmal so beschrieben: Der Twizzle ist so sehr Muskelgedächtnis, dass man sich im Wettkampf nicht einmal mehr bewusst dreht. Man dreht sich einfach. Ihr Bruder Alex ergänzte, sie erkannten gegenseitig die Fußpositionen am Klang der Kufen auf dem Eis.


Twizzle vs. Pirouette

Der Twizzle bewegt sich vorwärts (oder rückwärts 😅), die Pirouette steht. Das ist die kurze Version, und sie reicht eigentlich aus.

Beide Elemente werden auf einem Bein ausgeführt, beide beinhalten Rotationen. Aber eine Pirouette dreht sich auf einem festen Punkt, das Eis unter der Kufe bleibt dasselbe. Der Twizzle zieht eine Linie über das Eis, er reist von A nach B, während er dreht. Die kontinuierliche Fortbewegung ist dabei kein Nebenprodukt, sie ist das definierte Kernelement.

Für Zuschauer:innen ist der Unterschied im Direktvergleich gut zu sehen. Für Läufer:innen bedeutet er jahrelanges getrenntes Training.

Bewertung und Schwierigkeit

Der Twizzle gehört zu den gewerteten Elementen mit Schwierigkeitsniveaus von Level 1 bis 4. Level 1 ist die technisch einfachste Ausführung, Level 4 die schwierigste. Was den Level bestimmt: die Anzahl der Umdrehungen, die Einlaufkante, die Position des freien Beins (gestreckt ist schwerer als angewinkelt), die Armhaltung (über dem Kopf ist schwerer als am Körper) und die Geschwindigkeit der Drehung.

Dazu kommt die GOE, der Grade of Execution. Das ist der Ausführungsgrad, den die Preisrichter:innen auf einer Skala von -5 bis +5 vergeben. Ein technisch korrekt ausgeführter Twizzle auf Level 4 kann durch eine hohe GOE-Bewertung noch deutlich wertvoller werden.

Im Eistanz kommt noch ein Faktor hinzu: die Synchronisation. Paare führen Twizzles immer gleichzeitig aus, nebeneinander, mit maximal drei Schritten dazwischen. Papadakis und Cizeron galten hier jahrelang als Maßstab: In ihren besten Programmen erhielten sie durchgehend Level 4 mit GOE-Werten nahe +5. Synchronisation, Geschwindigkeit und Ästhetik nahezu perfekt.

Der Twizzle als Ausdruck des Eiskunstlaufs

Ich habe bei der Synchron-WM 2026 in Salzburg gesehen, wie eine ganze Arena verstummt, wenn etwas auf dem Eis passiert, das man nicht ganz greifen kann. Dieses Gefühl, dass Bewegung zu etwas anderem wird. Der Twizzle erzeugt dasselbe.

Er verlangt technische Präzision, körperliches Vertrauen und ein Körpergefühl, das sich nicht durch Erklärungen ersetzen lässt. Kein Sprung, keine Pirouette, keine Schrittkombination stellt diese Kombination so klar her. Irgendwo habe ich mal gelesen, dass Twizzles die „Quads des Eistanzes" sind, weil sie riskant sind, technisch anspruchsvoll und das Element, das über Sieg und Niederlage entscheiden kann. Das stimmt. Aber eigentlich gilt das für alle Disziplinen, in denen der Twizzle auftaucht.

Ein misslungener Twizzle bricht die Energie eines Programms. Ein guter macht aus Technik etwas anderes. Eiskunstlauf ist Bewegung, Präzision, Ausdruck, und der Twizzle ist der Moment, wo das alles auf einem Bein balanciert.

Training und Muskelgedächtnis

Profis trainieren Twizzles täglich. Nicht als Aufwärmübung, sondern als eigener Trainingsblock, getrennt, präzise, mit Fokus auf kleinste Details. Die Skate Austria-Trainerin Jana Hübler erklärt sie hier nochmal.

Für Hobby-Eisläufer:innen bedeutet das vor allem: Geduld mit sich selbst. Und konsequentes Einbeinstandtraining, weil die Drehachse ohne stabile Balance auf einem Bein nicht funktioniert.

Kleiner Disclaimer: Was ich hier beschreibe, sind allgemeine Prinzipien. Wie der Twizzle in deinem Verein oder mit deiner:m Trainer:in konkret angegangen wird, kann sich davon unterscheiden.

Off-Ice Training für den Twizzle

Das Gute am Twizzle: Einen großen Teil der Grundlagen kannst du zuhause trainieren. Ohne Eis, ohne Schlittschuhe, manchmal sogar ohne Equipment.

Ohne Equipment:

Der Einbeinstand mit geschlossenen Augen klingt simpel. Er ist es nicht. Steh auf einem Bein, schließe die Augen, halte die Position: eine Minute, pro Seite. Was dabei passiert, ist das Wichtigste überhaupt: Dein Körper lernt, die Drehachse ohne visuelle Orientierung zu finden. Genau das brauchst du beim Twizzle.

Für das freie Bein: Storch-Stand mit Hüftrotation. Steh auf einem Bein, rotiere das freie Bein vom Hüftgelenk aus, zuerst von innen nach außen, dann umgekehrt. Das trainiert die Kontrolle, die du brauchst, wenn das Spielbein während des Twizzles eine bestimmte Position halten soll.

Auf Socken auf einem glatten Boden kannst du außerdem den Drehimpuls üben, den ersten Schub, der eine Drehung einleitet. Kein Eis, kein Kufendruck, aber dasselbe Körpergefühl für das Gewicht über dem Standbein.

Mit Equipment:

Die Twizzle-Simulation aus dem Off-Ice-Programm der Deutschen Eislauf-Union geht einen Schritt weiter mit einer Drehscheibe: Einbeinstand, Spielbein an die Wade angelegt, dann langsam um die eigene Achse drehen, in beide Richtungen, auf beiden Beinen. Es geht nicht um Geschwindigkeit, sondern darum, das Gefühl für die Körperachse zu entwickeln.

Ein Spin-Trainer (auch Pirouettenboard oder Spinner genannt) ist eine rotierende Metallscheibe, auf der du auf einem Bein stehst und drehst. Du trainierst Drehachse, Balance und Körperzentrum unter realen Rotationsbedingungen, ganz ohne Eis. Für alle, die regelmäßig trainieren wollen, ist das eine sinnvolle Investition. Erhältlich zum Beispiel im Eiskunstlauf-Fachhandel.

Ein Balance Board eignet sich als ergänzendes Training. Weniger spezifisch für den Twizzle, aber gut für die allgemeine Knöchel- und Kniestabilität, die du bei jeder Einbeinarbeit auf dem Eis brauchst.

Was Off-Ice-Training nicht ersetzt: die Kante. Das Spezifische am Twizzle ist die Einlaufkante auf dem Eis, das Gefühl dafür, wie der Schuh kippt und die Drehung einleitet. Das lässt sich nur auf dem Eis lernen. Achse, Gleichgewicht, Drehimpuls, Körperspannung kannst du gut vorbereiten. Den Rest nicht.

Wenn du noch ganz am Anfang stehst und dich fragst, wie das Training auf dem Eis so läuft: Unser Etiquetten-Guide für das Eiskunstlauftraining gibt dir einen guten ersten Überblick.

Was bleibt

Der Twizzle ist mehr als ein Pflichtelement. Er ist eines dieser Elemente, das einen nicht loslässt – weder als Läufer:in noch als Zuschauer:in. Technisch anspruchsvoll, ästhetisch unverwechselbar und im Wettkampf entscheidend genug, um ein ganzes Programm zu kippen.

Mein kontrolliertes Stolpern von damals sieht übrigens inzwischen etwas besser aus haha

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FAQ

Was ist der Unterschied zwischen Twizzle und Pirouette?
Der entscheidende Unterschied liegt in der Fortbewegung. Eine Pirouette dreht sich auf einem festen Punkt, die Kufe bleibt an derselben Stelle. Der Twizzle dreht sich ebenfalls auf einem Bein, bewegt sich dabei aber kontinuierlich über das Eis. Diese Fortbewegung ist kein Nebeneffekt, sondern das definierende Merkmal des Elements laut ISU-Regelwerk.

Warum ist der Twizzle im Eistanz Pflicht?
Der Twizzle ist im Rhythmustanz als gefordertes Element vorgeschrieben, weil er zwei zentrale Eigenschaften des Eistanzes auf einmal prüft: die individuelle Skatetechnik jedes:r Partner:in und die Synchronisation des Paares. Kein anderes Element zeigt so deutlich, wie gut zwei Läufer:innen aufeinander abgestimmt sind, auch ohne sich zu berühren.

Wie viele Umdrehungen hat ein Twizzle auf Level 4?
Die genauen Level-Kriterien werden jährlich von der ISU veröffentlicht und können sich von Saison zu Saison leicht ändern. Grundsätzlich fließen in Level 4 mehrere Faktoren ein: die Anzahl der Umdrehungen, die Einlaufkante, die Position des freien Beins und die Armhaltung während der Drehung. Je schwieriger die Körperhaltung bei gleichzeitig hoher Rotationsgeschwindigkeit, desto höher das Level.

Wie übt man einen Twizzle als Hobby-Eistänzer:in?
Am wichtigsten ist zuerst die Einbeinbalance. Ohne eine stabile Drehachse auf einem Bein funktioniert kein Twizzle. Off-Ice-Übungen wie Einbeinstand mit geschlossenen Augen, Twizzle-Simulationen auf beiden Beinen und ein Spin-Trainer helfen dabei, das Körpergefühl zu entwickeln. Auf dem Eis geht es dann darum, die Einlaufkante zu lernen. Das lässt sich nicht ersetzen und braucht Zeit und eine:n gute:n Trainer:in.

Wie beeinflusst die Synchronisation beim Twizzle die Wertung im Eistanz?
Stark. Eistanzpaare führen Twizzles immer gleichzeitig aus, und die Preisrichter:innen bewerten dabei auch, wie synchron Eingang, Drehung und Ausgang der beiden Läufer:innen sind. Eine minimale Asynchronität kann Punkte kosten, selbst wenn die technische Ausführung einer:s der Partner:innen für sich genommen fehlerfrei war. Im Einzellauf, Paarlauf und Synchronlauf fließt der Twizzle in der Regel als Teil von Schrittkombinationen in die Gesamtbewertung ein, ohne eigenes Level.

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