Golden Waltz: Warum der schwierigste Walzer des Eistanzes zurück ist
Golden Waltz im Rhythmustanz 2026/27: Geschichte, ISU-Regeln, Key Points und worauf du beim Zuschauen achten kannst. Verständlich erklärt von Twizzle.
Golden Waltz im Rhythmustanz 2026/27: Geschichte, ISU-Regeln, Key Points und worauf du beim Zuschauen achten kannst. Verständlich erklärt von Twizzle.

TL;DR Der Golden Waltz ist zurück. Zum ersten Mal seit der Saison 2010/11 laufen alle Senior-Eistanzpaare wieder einen Abschnitt dieses Walzers. Diesmal ist es der Rhythmustanz 2026/27.
In diesem Artikel erfährst du, woher der Tanz kommt, was die ISU genau verlangt, wie vier Key Points über das Level entscheiden und worauf du beim Zuschauen achten kannst, um die Unterschiede zwischen den Paaren selbst zu erkennen.
Als das Eistanz-Komitee der ISU im Frühjahr vorschlug, den Golden Waltz in den Rhythmustanz zurückzuholen, ging ein spürbares Raunen durch die Eistanzszene. Selbst Scott Moir, der den Tanz mit Tessa Virtue bei der WM 2010 so gut lief wie niemand sonst, nannte ihn im Gespräch mit AnythingGOEs ziemlich knifflig.
Genau diese Mischung macht den Golden Waltz so spannend. Er ist schwer, aber er ist elegant und er gehört zur Eistanzgeschichte, die viele jüngere Fans nicht mehr kennen.
Eigenständige Pflichttänze gibt es seit 2010 nicht mehr (aber Hand hoch, wer noch eine Hass-Liebe gegen sie hat 😅). Seit 2022 liefen die Senior:innen auch im Rhythmustanz keinen festgelegten Pattern Dance mehr.
Warum also holt die ISU ausgerechnet diesen Walzer zurück? Und was bedeutet das für die Programme, die du diese Saison im Rhythmustanz (international: Rhythm Dance) sehen wirst?
Ich habe mich durch die aktuellen ISU-Bestimmungen gelesen und erkläre dir, was hinter dem Tanz steckt. So weißt du beim nächsten Wettkampf genau, worauf es ankommt.
Der Golden Waltz ist ein sogenannter Pattern Dance, also ein Tanz mit festgelegter Schrittfolge. Jede Kante, jede Drehung und jede Haltung ist vorgeschrieben, ebenso das Timing. Er steht im 3/4-Takt und läuft mit mindestens 186 Schlägen pro Minute. Damit gehört er zu den schnellsten und technisch anspruchsvollsten Walzern im Eistanz.
Was ihn auszeichnet, sind lange, fließende Kanten im Wechsel mit schnellen, komplexen Schrittfolgen. Dazu kommen Dreier, Twizzles und tiefe, lyrische Bewegungen.
Wer den Golden Waltz läuft, braucht also beides: Präzision wie bei einer Prüfung und den Ausdruck eines Ballsaals.
Die Wurzeln des Golden Waltz liegen in den späten Achtzigern. 1987 gewannen Marina Klimova und Sergei Ponomarenko (Er ist übrigens Vater von Anthony Ponomarenko, der mit Christina Carreira ein Paar bildet.) den Moskauer Preis der Moscow News. Ihr damaliger Original Set Pattern, ein Wiener Walzer, gilt laut der Eistanz-Chronik von ice-dance.com als Keimzelle des späteren Golden Waltz.

Christina Carreira und Anthony Ponomarenko bei der Nebelhorn Trophy 2026 - Foto: vi_visuals
International debütierte der Tanz bei der Europameisterschaft 1997 in Paris als einer von zwei Pflichttänzen. Gold ging an Oksana Grishuk und Evgeny Platov. Danach blieb der Golden Waltz über ein Jahrzehnt fester Bestandteil der Pflichttanz-Rotation.
Sein letzter großer Auftritt als eigenständiger Pflichttanz war die WM 2010. Tessa Virtue und Scott Moir holten dort die höchste Wertung im Golden Waltz und am Ende den Titel.
Nach 2010 legte die ISU Pflichttanz und Originaltanz zum Kurztanz zusammen, dem Vorläufer des heutigen Rhythmustanzes. In der Saison 2010/11 mussten die Senior-Paare noch zwei Abschnitte des Golden Waltz zeigen. Danach verschwand er aus dem Wettkampf. Andere Pattern Dances blieben als Abschnitte im Kurz- und Rhythmustanz noch einige Jahre erhalten, ab 2022 liefen die Senior:innen keinen mehr. Mit dieser Saison sind beide zurück: ein Pattern Dance und der Golden Waltz.
Das Thema des Rhythmustanzes lautet diese Saison „Rhythm and Waltz“. Alle Senior-Paare laufen darin einen festgelegten Abschnitt des Golden Waltz, offiziell das Pattern Dance Element 1GW. Er beginnt bei Schritt 33, läuft über den Neustart des Musters und endet bei Schritt 20. Der Abschnitt umfasst insgesamt 35 Schritte.
Die wichtigsten Vorgaben im Überblick, jeweils mit dem Grund, warum sie für dich als Zuschauer:in interessant sind:
Startpunkt: Beide starten mit Schritt 33 rechts von den Preisrichter:innen, hinter der Querachse der Eisfläche. Daran erkennst du, wann der Golden Waltz im Programm beginnt.
Timing: Der erste Schritt muss auf Schlag eins sitzen. Wer zu früh oder zu spät einsetzt, verliert Präzision, die das Technische Panel registriert.
Muster: Seit einem Update vom Juli ist das vorgeschriebene Bahnmuster optional. Die Paare dürfen den Abschnitt also freier auf der Fläche platzieren, die Schritte selbst bleiben aber fest.
Kontakt: Die Partner:innen müssen während des gesamten Abschnitts in Berührung bleiben, auch beim Haltungswechsel.
Tracking: Läuft ein:e Partner:in in der Spur des:der anderen, also direkt hintereinander auf derselben Linie, nennt man das Tracking. Im Golden Waltz ist das freigestellt, nur in den Key Points nicht. Dort zählt die exakt vorgeschriebene Position zueinander.
Die Musik ist überraschend offen. Erlaubt ist jeder Walzerstil, vom klassischen Wiener Walzer bis zur modernen Interpretation. Cover, Remixe und laut ISU sogar KI-generierte Musik sind zugelassen. Pflicht ist allerdings mindestens ein weiterer Rhythmus neben dem Walzer. Der Walzerteil muss im 3/4- oder 6/8-Takt stehen.
Olivia Smart und Tim Dieck tanzen ihren Goldenen Walzer in ihrem Rhythmustanz zu "Ramalama" und haben mit ihrem Saisondebüt bei der Nepela Memorial Trophy in Bratislava 2026 direkt Platz 1 belegt.
Smart/Dieck - RD - Nepela Memorial Trophy 2026
Neben dem Golden Waltz zeigen die Senior-Paare ein kreatives Tanzelement (Creative Dance Element, CDE), das von Bande zu Bande führt und den einzigen erlaubten Stopp enthält. Dazu kommen ein kurzer Lift bis acht Sekunden, eine Schrittfolge ohne Berührung auf einem Kreis im Uhrzeigersinn und eine Serie von Twizzles im Eistanz. Das ganze Programm dauert 2:50 Minuten, plus oder minus zehn Sekunden.
Die Junior:innen laufen statt des Golden Waltz den Westminster Waltz, aufgeteilt in zwei Abschnitte (1WW und 2WW) mit mindestens 162 Schlägen pro Minute. Auch er hat Geschichte: Er entstand in den Dreißigern in London. Bei Olympia 1984 bekamen Jayne Torvill und Christopher Dean dafür von drei Preisrichter:innen die Höchstnote 6.0.
Key Points sind die Stellen im Golden Waltz, an denen das Technische Panel besonders genau hinschaut. Im Abschnitt 1GW gibt es vier davon, je zwei pro Rolle. Ein Key Point gilt nur dann als korrekt, wenn Drehungen, Kanten, Fußstellung und Timing stimmen und jeder Schritt die vorgeschriebene Anzahl Schläge gehalten wird.
Zwei Key Points liegen gleich am Anfang, auf Schritt 34 und 35, und sind für beide Partner:innen identisch: ein geschwungener offener Choctaw, also ein Wechsel von vorwärts auf rückwärts mit Kurvenwechsel. Die anderen beiden liegen rund um Schritt 15. Dort laufen die beiden unterschiedliche Drehungen: die Dame einen Bracket, der Herr einen offenen Mohawk mit anschließenden Rückwärtskanten. Wie diese Schritte im Detail aufgebaut sind, schauen wir uns im Technik-Artikel zum Golden Waltz genauer an.

Das ist das Golden Waltz Pattern aus dem ISU "Technical Handbook Ice Dance 2026-2027"
Wie gut ein Paar den Abschnitt läuft, entscheidet sich an zwei Dingen: wie viel des Musters sauber gelaufen wurde und wie viele Key Points korrekt waren.
Im offiziellen Wertungsprotokoll steht hinter jedem Key Point ein Kürzel. „Yes“ bedeutet alles korrekt. „Timing“ heißt, die Technik stimmte, aber mindestens eine Kante wurde nicht lang genug gehalten. „No“ steht für einen technischen Fehler, „X“ für einen Key Point, der gar nicht versucht wurde.
Auch Unterbrechungen kosten. Fehlt höchstens ein Takt, etwa durch einen ausgelassenen Schritt oder ein Aufsetzen, sinkt das Level um eins. Ist es mehr als ein Takt, haben aber beide trotzdem mindestens 75 % des Abschnitts gelaufen, sinkt es um zwei. Wer weniger schafft, bekommt nur das Level, das die gelaufenen Schritte hergeben. Unter 50 % wird das Element gar nicht gewertet. Wenn du nach einem Wettkampf die Protokolle öffnest, kannst du so genau nachvollziehen, wo ein Paar Punkte liegen gelassen hat.
Im Wettkampf geht der Golden Waltz wirklich schnell vorbei. 35 Schritte bei mindestens 186 Schlägen pro Minute lassen wenig Zeit zum Hinschauen und Auswerten. Ich habe deshalb ein paar Punkte zurechtgelegt, auf die du achten kannst um den Golden Waltz zu erkennen:
Den Einstieg finden: Achte darauf, wann das Paar rechts von der Preisrichter:innenbank hinter die Querachse kommt und die Musik in den Walzer wechselt.
Die Kanten lesen: Gute Paare fahren tiefe, lange Bögen, die nicht flach werden. Wenn die Kanten wackeln oder kurz werden, leidet oft das Timing.
Die Knie beobachten: Der Walzercharakter entsteht durch das Heben und Senken in den Knien. Ein Paar, das steif aufrecht fährt, läuft die Schritte, tanzt aber keinen Walzer.
Den Kontakt prüfen: Die Partner:innen müssen durchgehend Kontakt halten, auch beim Haltungswechsel. Das muss nicht über die Hände laufen. Achte bei schnellen Wechseln darauf, ob die Verbindung wirklich bestehen bleibt.
Die Position zueinander sehen: In den Key Points müssen die Partner:innen genau so zueinander laufen, wie es die Schrittbeschreibung vorgibt, ohne in die Spur des:der anderen zu geraten.
Die Interpretation genießen: Weil jeder Walzerstil erlaubt ist, wird kein Golden Waltz gleich klingen. Spannend ist, wie das Paar den Übergang zum zweiten Rhythmus gestaltet und ob der Walzer trotzdem nach Walzer aussieht.
Mein Tipp: Schau dir zum Vergleich einen alten Golden-Waltz-Pflichttanz von Virtue/Moir (WM 2010 in Turin) oder Belbin/Agosto (Cup of China 2009) an. Dann siehst du sofort, wie sehr die frei gewählte Musik den Charakter des gleichen Schrittmaterials verändert.
Der Golden Waltz bringt nach einigen Jahren Pause wieder ein gemeinsames Stück Schrittmaterial in den Rhythmustanz, an dem sich alle Paare messen lassen müssen. Gleichzeitig lässt die ISU mit der freien Musikwahl und dem optionalen Muster genug Raum, damit jedes Paar seinen eigenen Walzer erzählt.
Für dich als Zuschauer:in heißt das: Wenn du weißt, wo der Abschnitt beginnt und worauf es in den Key Points ankommt, siehst du plötzlich viel mehr als nur einen schönen Walzer.
Ich begleite die Eistanzsaison im Twizzle-Newsletter, inklusive der Deutschen Meisterschaften in Krefeld im Dezember. Und wenn du den Golden Waltz selbst laufen möchtest, findest du im Technik-Artikel die Schritte im Detail. Ich freue mich, wenn wir uns dort wiederlesen.
Was ist der Golden Waltz?
Der Golden Waltz ist ein Pattern Dance im Eistanz, also ein Tanz mit vorgeschriebener Schrittfolge, Haltung und Timing. Er steht im 3/4-Takt, läuft mit mindestens 186 Schlägen pro Minute und gilt als einer der schwierigsten Walzer im Eistanz. In der Saison 2026/27 laufen alle Senior-Paare einen Abschnitt davon im Rhythmustanz.
Wer hat den Golden Waltz erfunden?
Als Ursprung gilt der Wiener Walzer, den Marina Klimova und Sergei Ponomarenko 1987 unter Trainerin Natalia Dubova liefen. International debütierte der Golden Waltz bei der Europameisterschaft 1997 in Paris.
Warum laufen nur Senior-Paare den Golden Waltz?
Die ISU legt für jede Altersklasse einen eigenen Pattern Dance fest. Die Senior:innen laufen den anspruchsvolleren Golden Waltz, die Junior:innen den Westminster Waltz. Beide passen zum Saisonthema „Rhythm and Waltz“.
Was ist der Unterschied zwischen Rhythmustanz und Rhythm Dance?
Keiner. Rhythm Dance ist die offizielle englische Bezeichnung der ISU, Rhythmustanz der deutsche Begriff. Gemeint ist das erste von zwei Wettkampfprogrammen im Eistanz, auf das der Kürtanz (Free Dance) folgt.
Was sind Key Points im Eistanz?
Key Points sind festgelegte Schritte innerhalb eines Pattern Dance, an denen das Technische Panel Kanten, Drehungen, Fußstellung und Timing besonders genau prüft. Im Golden Waltz gibt es vier davon. Wie viele korrekt gelaufen werden, entscheidet zusammen mit dem gelaufenen Anteil über das Level.