Glossar - Dreiersprung: Technik, Mechanik und Übungen
Der Dreiersprung ist der erste Sprung im Eiskunstlauf: Technik, Mechanik, beteiligte Muskeln sowie je vier On- und Off-Ice-Übungen im Überblick.
Der Dreiersprung ist der erste Sprung im Eiskunstlauf: Technik, Mechanik, beteiligte Muskeln sowie je vier On- und Off-Ice-Übungen im Überblick.

Der Dreiersprung ist der erste Sprung, den fast alle Eiskunstläufer:innen lernen. Er hat eine halbe Umdrehung, der Absprung erfolgt vorwärts von der Außenkante, die Landung rückwärts auf der Außenkante des anderen Fußes. Damit ist er neben dem Axel der einzige Grundsprung mit Vorwärtsabsprung und die technische Vorstufe zu allem, was später an Rotation dazukommt.
Der Name geht auf den Dreier zurück, den Drehschritt von vorwärts auf rückwärts, mit dem der Sprung ursprünglich vorbereitet wurde. Heute läuft die Einleitung meist über einen Mohawk von rechts rückwärts auswärts auf links vorwärts auswärts (oder anders herum natürlich 😉).
Vier der sechs Grundsprünge tragen die Namen ihrer Erfinder: Axel Paulsen zeigte seinen Sprung 1882 in Wien, Ulrich Salchow seinen 1909, Alois Lutz 1913. Der Dreiersprung war da längst Teil des Repertoires. Benannt wurde er nach einer Bewegung statt nach einer Person, weil er aus dem gewöhnlichen Laufen entstanden ist.
Der Dreiersprung ist ein Kantensprung mit einer halben Umdrehung. Der Absprung erfolgt vorwärts von der Außenkante des linken Fußes, nach 180 Grad Drehung landest du rückwärts auf der Außenkante des rechten Fußes. Wer sich nach rechts dreht, führt ihn spiegelbildlich aus. Im Englischen heißt er Waltz Jump, benannt nach dem Dreivierteltakt der Bewegung. Im Deutschen wird er auch Kadettensprung genannt.
Aus dem Mohawk kommst du auf links vorwärts auswärts, das Standbein geht ins Knie, das Spielbein streckt sich nach hinten. Beim Absprung schwingen Spielbein und Arme nach vorne oben, während sich das Standbein streckt, das Gewicht liegt auf dem vorderen Teil der Kufe. In der Luft bleibt der Körper gestreckt, bis du rückwärts auf der rechten Außenkante landest.
Die Rotation entsteht am Boden und nicht in der Luft. Sobald du das Eis verlässt, ist dein Drehimpuls festgelegt und lässt sich nicht mehr vergrößern. Was du im Flug noch veränderst, ist die Winkelgeschwindigkeit über die Körperposition, nicht die Menge an Rotation. Beim Axel entscheidet genau dieser Punkt über Erfolg oder Sturz, beim Twizzle gilt dasselbe Prinzip für Drehungen mit durchgehendem Kufenkontakt zum Eis. Den Drehimpuls erzeugen dabei zwei Dinge: der Schwung von Spielbein und Armen sowie die Auswärtskante, die den Körper schon in eine Kurvenbewegung zwingt. Das Standbein liefert dazu die vertikale Geschwindigkeit für die Höhe.
Die höchste Muskelaktivität zeigen laut einer EMG-Studie aus 2025 der Biceps femoris (Muskel auf der Rückseite des Oberschenkels) und der Rectus femoris (Muskel auf der Vorderseite des Oberschenkels), also die ischiocrurale Muskulatur (Hamstrings oder auch Beinbeuger) und der gerade Oberschenkelmuskel. Der Gluteus maximus streckt die Hüfte beim Absprung und stabilisiert das Becken bei der Landung, der Quadrizeps übernimmt Kniestreckung und die exzentrische Bremsarbeit beim Aufkommen. Die Rumpfmuskulatur hält die Achse aufrecht, ohne sie kippt der Oberkörper im Flug.
Auswärtsbogen mit Spielbeinschwung. Linken Vorwärts-Auswärtsbogen laufen, ins Knie gehen und das Spielbein ohne Absprung nach vorne oben schwingen, Schwung aus der Hüfte. Zehn Wiederholungen, mehrere Runden verteilt.
Landeposition isoliert. Rückwärts-Auswärtsbogen rechts, linkes Bein gestreckt nach hinten, Arme seitlich geöffnet, Position möglichst lange halten. Testet, ob die Landung auch ohne Sprung stabil steht.
Halbdrehung aus dem Stand. Ohne Anlauf aus dem Stillstand abspringen und rückwärts landen, fünf bis acht Wiederholungen. Ohne Tempo wird jeder Fehler in der Absprungmechanik sichtbar.
Mohawk im Tempo, ohne Sprung. Mohawk von rechts rückwärts auswärts auf links vorwärts auswärts zehnmal mit Tempo laufen, ohne zu springen. Die Hüfte darf beim Umsetzen nicht ausweichen.
Ausfallschritt mit Spielbeinschwung. Tiefer Ausfallschritt, hinteres Bein gestreckt, dann kraftvoll nach vorne oben schwingen und auf dem Standbein strecken. Drei Sätze zu acht Wiederholungen pro Seite, explosiv, kontrolliert im Absetzen.
Halbdrehung mit Haltezeit. Absprung mit halber Drehung, einbeinige Landung und dann drei Sekunden halten. Drei Sätze zu sechs Wiederholungen pro Seite. Das erzwingt echte Stabilisierung statt Ausfallschritt.
Einbeinige Landung von der Box. Von etwa 20 Zentimetern einbeinig herunterspringen und kontrolliert landen. Achte dabei darauf das Knie über der Fußspitze zu halten. Drei Sätze zu fünf Wiederholungen pro Bein. Das trainiert exzentrische Kraft für die Sprunglandung.
Pogo Hops. Kleine, schnelle Sprünge mit gestreckten Beinen. Dabei kommt die Bewegung fast nur aus dem Sprunggelenk und nicht aus dem Knie oder dem Oberkörper. Drei Sätze zu 20 Sprüngen. Das verbessert deine Haltung in der Achse und die Kraftübertragung.
Ein Absprung über die Zacken statt über die Kante lässt den Sprung nach vorne statt nach oben gehen. Das passiert meist aus Unsicherheit. Die Halbdrehung aus dem Stand macht ohne Tempo spürbar, wo das Gewicht auf der Kufe liegt.
Eine zu frühe Rotation im Oberkörper. Die Schulter dreht schon auf, bevor der Fuß das Eis verlässt, bringt wenig Höhe und eine unsaubere Landung mit. Halte die Schultern bis zum Absprung bewusst parallel zur Laufrichtung.
Gebeugter Oberkörper bei der Landung, erkennbar am Blick nach unten. Das ist fast immer ein Blickproblem. Ein fester Blickpunkt auf Augenhöhe an der Bande löst das meist innerhalb weniger Versuche.
Das Spielbein schwingt nicht durch und stoppt auf halber Höhe, wodurch ein wesentlicher Teil des Drehimpulses fehlt. Der Ausfallschritt mit Spielbeinschwung trainiert die volle Schwungamplitude ohne Sturzangst.
Der Dreiersprung entscheidet später über mehr, als seine halbe Umdrehung vermuten lässt. Vorwärtsabsprung von der Außenkante, Schwung aus Spielbein und Armen, Landung auf der Gegenkante: Diese Mechanik ist identisch mit der des Axels, nur die Umdrehungszahl unterscheidet sich. Deshalb lohnt es sich, ihn auch dann noch zu üben, wenn er längst funktioniert.
Was daraus wird, steht im Guide zum Axel, inklusive der Rolle der Rückwärts-Auswärtspirouette. Wie eine Pirouette funktioniert, klärt der Eintrag zur Standpirouette.
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Was ist der Waltz Jump? Waltz Jump ist die englische Bezeichnung für den Dreiersprung, benannt nach dem Dreivierteltakt der Bewegung. Im deutschsprachigen Raum ist Dreiersprung der gebräuchliche Begriff.
Wie viele Umdrehungen hat der Dreiersprung? Eine halbe: Du springst vorwärts ab und landest rückwärts, das entspricht 180 Grad, der geringsten Rotation aller Grundsprünge.
Wie lange dauert es, den Dreiersprung zu lernen? Wer saubere Vorwärts- und Rückwärts-Auswärtsbögen laufen kann, lernt ihn oft innerhalb weniger Wochen. Ohne diese Basis dauert es deutlich länger.
Was ist der Unterschied zwischen Dreiersprung und Axel? Die Mechanik ist fast identisch, beide werden vorwärts von der Außenkante abgesprungen. Der Axel hat anderthalb Umdrehungen statt einer halben.
Welche Muskeln brauche ich für den Dreiersprung? Vor allem die ischiocrurale Muskulatur und den Quadrizeps, dazu Gesäß- und Rumpfmuskulatur für Hüftstreckung und eine stabile Achse.