Axel Sprung lernen – Anfänger:innen-Guide zum schwierigsten Sprung im Eiskunstlauf
Der Axel gilt als schwierigster Sprung im Eiskunstlauf. Zu Recht. In unserem neuen Guide zeigen wir dir, welche Grundlagen du wirklich brauchst, warum die Rückwärts-Auswärtspirouette dabei so wichtig ist und ob sich der Sprung auch als Erwachsene:r noch lernen lässt. 🧡
TL;DR: Der Axel ist der einzige Sprung im Eiskunstlauf mit vorwärts gerichtetem Absprung. Deshalb ist er auch der schwierigste. Für Anfänger:innen zählen vor allem drei Dinge: solide Grundlagen wie der Dreiersprung und ein gutes Kantengefühl, eine stabile Rotationsachse und viel Geduld. Dieser Guide zeigt dir Schritt für Schritt, wie der Axel funktioniert, welche Übungen wirklich helfen und warum auch Erwachsene ihn noch lernen können.
Axel Sprung lernen – Anfänger:innen-Guide zum schwierigsten Sprung im Eiskunstlauf
Meinen ersten Axel bin ich als Jugendliche gesprungen. Nur einfach und sehr wackelig, aber er stand. Und dann ist genau das passiert, was im Eiskunstlauf ziemlich oft passiert: Andere Dinge wurden wichtiger, der Sprung wurde nie richtig gefestigt und irgendwann war er einfach wieder weg. Jahre später stehe ich wieder davor und lerne ihn im Grunde neu. Bis heute, muss ich ehrlich sagen.
By original work: Nellinka (originally from File:Axel-Paulsen-Sprung.png) modification by User:Nordelch (File:Axel Paulsen jump without text.png) raster to vector conversion: ErikHK - File:Axel Paulsen jump without text.png, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=9483470
Genau das macht den Axel so besonders. Er ist der einzige der sechs Grundsprünge, der aus der Vorwärtsbewegung heraus abgesprungen wird. Alle anderen starten rückwärts. Wenn du dich also fragst, warum sich dieser Sprung so anders anfühlt als alles, was du bisher gelernt hast: Das liegt nicht an dir, sondern an der Mechanik des Sprungs selbst.
Was macht den Axel so besonders?
Der Axel wurde 1882 von seinem Erfinder, dem Norweger Axel Paulsen, zum ersten Mal gezeigt, damals sogar noch auf Schlittschuhen für den Eisschnelllauf. Weil der Sprung vorwärts abgesprungen und rückwärts gelandet wird, braucht er eine zusätzliche halbe Umdrehung: Ein einfacher Axel hat somit anderthalb Umdrehungen statt einer Ganzen.
Bei internationalen ISU-Wettkämpfen ist ein Axel-Sprung, meist als Doppel- oder Dreifachvariante, für Senior:innen im Einzellauf ein Pflichtelement, wie FLEXAFIT in seinem Trainingsleitfaden beschreibt. Das zeigt, wie zentral dieser Sprung im Eiskunstlauf verankert ist, auch wenn du als Anfänger:in erstmal nur den einfachen Axel im Blick hast.
Diese Grundlagen solltest du vorher beherrschen
Bevor der Axel überhaupt Sinn ergibt, brauchst du ein sicheres Gefühl für den Dreiersprung. Er bereitet Absprungmechanik und Luftgefühl vor, ohne dass gleich die zusätzliche halbe Umdrehung dazukommt. Genauso wichtig: ein stabiles Kantengefühl.
Falls du schon mit dem Twizzle vertraut bist, bringst du hier bereits eine gute Basis mit. Beide Elemente verlangen präzise Kantenkontrolle in Bewegung. Wobei die Rückwärts-Auswärtspirouette die beste Basis bildet. Aber dazu gleich mehr.
Der Axel beginnt mit einem Gleiten vorwärts auf der Außenkante eines Fußes. Das freie Bein schwingt beim Absprung nach vorne, während sich der Körper in eine gekreuzte Luftposition „schnappt".
Die Rückwärts-Auswärtspirouette als Schlüsselübung
Eine der wichtigsten Vorbereitungsübungen für den Axel wird im Training oft unterschätzt: die Rückwärts-Auswärtspirouette, im Englischen als „Backspin" bekannt. Sie trainiert genau das, was beim Axel über Erfolg oder Sturz entscheidet: Rotationskontrolle und eine stabile Achse.
Der Einstieg erfolgt über eine tiefe Vorwärts-Innenkante, aus der heraus auf die spinnende Rückwärts-Außenkante gewechselt wird. Laut einer technischen Aufschlüsselung von Ryabinin Camps kippt die Achse sofort, wenn dieser Übergang nicht sauber sitzt. Die Pirouette wandert dann über das Eis, statt zentriert zu bleiben. Genau dieses Gefühl für die eigene Achse ist es, das du später beim Axel brauchst, um nicht seitlich aus der Rotation zu fallen.
Olympiacoachin Audrey Weisiger empfiehlt für den Einstieg, zunächst mit kurzen, kontrollierten Rotationen zu arbeiten, bevor das freie Bein länger angehoben wird. Ein Ansatz, der sich gerade für erwachsene Anfänger:innen eignet. Wer diese Pirouette regelmäßig übt, entwickelt genau das Körpergefühl, das dem Axel später die nötige Stabilität gibt.
Off-Ice-Vorbereitung: So übst du abseits vom Eis
Viele der wichtigsten Axel-Bausteine lassen sich neben dem Eis vorbereiten. Ein bewährter Übergang ist der Dreiersprung mit anschließendem Backspin: Du springst den vertrauten Dreiersprung, ziehst dich nach der Landung aber sofort in eine kurze Rotation zusammen. So gewöhnst du dich an das Gefühl, organisiert über der Achse zu landen.
Daneben lohnt sich gezieltes Sprungkrafttraining. Hier eignen sich Pyometrics-Übungen besonders gut. Also Sprung- und Hüpfübungen, um genau die Sprunghöhe aufzubauen, die der Axel wegen seiner zusätzlichen halben Umdrehung braucht. Ohne ausreichend Höhe wird der Sprung fast automatisch unter-rotiert.
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Typische Anfänger:innen-Fehler beim Axel
Der häufigste Fehler entsteht, wenn sich die Hüfte zu früh öffnet, bevor das Knie der Bewegung folgt. Die Balance verschiebt sich dann, die Rotationsachse kippt, und der Sprung endet meist im Sturz oder in einer deutlich abgewerteten Landung.
Ein zweiter Klassiker: Angst vorm Fallen führt dazu, dass der Absprung zu zaghaft ausfällt. Das Paradoxe daran: Ausgerechnet die vorsichtige Version erhöht oft das Sturzrisiko, weil dem Sprung die nötige Energie fehlt, um sauber durchzurotieren.
Kann ich als Erwachsene:r noch einen Axel lernen?
Ja klar kannst du das. Beweglichkeit, vor allem in Hüfte und Schultern, spielt dabei eine größere Rolle als reines Alter. Und das lässt sich gezielt trainieren.
Ich schreibe das nicht nur aus der Theorie heraus. Ich stehe selbst mittendrin: Mein Axel aus der Jugend war nie gefestigt, und ich arbeite bis heute daran, ihn wieder zuverlässig zu stehen. Ein abgeschlossenes „Ich hab's geschafft" gibt es bei mir noch nicht. Und genau das gehört für mich zur Realität dieses Sprungs dazu.
Was sich mit den Jahren verändert, ist eher das Tempo des Lernprozesses und die Risikobereitschaft beim Fallen. Beides lässt sich durch saubere Vorbereitung und realistische Erwartungen ausgleichen.
Realistische Zeitrahmen und wie man Rückschläge einordnet
Rechne für den Axel eher mit Monaten als mit Wochen, bei vielen Läufer:innen sogar mit ein bis zwei Jahren konsequenten Trainings. Das ist kein Zeichen mangelnden Talents, sondern einfach die Realität dieses Sprungs.
Auch Rückschläge gehören dazu. Wichtiger als die Frage „Wann klappt es endlich?" ist die Frage, ob du in kleinen Schritten Fortschritte in Achsenkontrolle und Absprungqualität spürst.
Fazit
Der Axel verlangt mehr Geduld als jeder andere Grundsprung. Dafür sorgt schon seine besondere Mechanik mit vorwärts gerichtetem Absprung und der zusätzlichen halben Umdrehung. Wer die Grundlagen sauber legt, die Rückwärts-Auswärtspirouette als Rotationsübung ernst nimmt und typische Fehler wie eine zu früh öffnende Hüfte im Blick behält, kommt dem Sprung Schritt für Schritt näher. Wenn du gerade neu ins Training einsteigst, wirf gerne einen Blick in unseren Etiquette-Guide fürs Training. Und falls du keine Artikel rund ums Training verpassen willst: Melde dich für unseren Newsletter an.
FAQ
Warum ist der Axel so schwer? Er ist der einzige Grundsprung mit vorwärts gerichtetem Absprung, wodurch eine zusätzliche halbe Umdrehung nötig wird. Zusätzlich verlangt er ein hohes Maß an Rotationskontrolle, das viele Anfänger:innen erst über Vorübungen aufbauen müssen.
Wie lange dauert es, den Axel zu lernen? Realistisch solltest du mit mehreren Monaten bis zu ein bis zwei Jahren konsequenten Trainings rechnen. Das hängt stark von Trainingshäufigkeit, Vorerfahrung und individueller Beweglichkeit ab.
Was bringt die Rückwärts-Auswärtspirouette fürs Axel-Training? Sie trainiert gezielt Rotationskontrolle und Achsenstabilität: genau die Fähigkeiten, die beim Axel über eine saubere Landung entscheiden. Viele Coaches setzen sie deshalb bewusst als Vorbereitungsübung ein.
Brauche ich unbedingt einen Trainer, um den Axel zu lernen? Dringend empfohlen, denn falsch antrainierte Bewegungsmuster lassen sich später nur schwer korrigieren. Ein:e erfahrene:r Trainer:in erkennt außerdem frühzeitig Fehler in der Achse, die du selbst kaum spürst.
Wie kann ich sicher zu Hause für den Axel üben? Off-Ice eignen sich Sprungkrafttraining wie Plyometrics sowie Beweglichkeitsübungen für Hüfte und Schultern. Die eigentliche Sprungtechnik solltest du aber ausschließlich unter Anleitung auf dem Eis erarbeiten.